Neulichst gelesen: GEE-Interview mit Gee über Lernen in Computerspielen

In der Ausgabe September/Oktober 2010 interviewte Ole Schley im Computerspielmagazin GEE James Paul Gee zum Lernverhalten von Kindern und Jugendlichen in Computerspielen. Der amerikanische Erziehungswissenschaftler vertritt in dem Gespräch die Meinung, dass Kinder nicht durch Auswendiglernen lernen, sondern durch die Lösung von Problemen. In Computerspielen lernen sie wie komplexe Systeme funktionieren und dies bei jedem Versuch mehr.

„Dabei können sie Riskien eingehen, da die Auswirkungen einer Spielniederlage harmlos sind. Videospiele ermöglichen also kontinuierliches Üben und können dabei den Schwierigkeitsgrad anziehen.“ Das sind Voraussetzungen für tiefe Lernerfahrungen. Gee zufolge können Kinder sogar bei Taktik-Shootern wie Swat (in Deutschland von der USK freigegeben ab 18 Jahren, also bitte nicht im Unterricht einsetzen;) etwas lernen: „Hier wird der Spieler von drei computergestützen Teammitgliedern unterstützt, die wissen, was sie tun. Er lernt, indem er ihnen zuschaut.“ Dieses Lernkonzept könnte in seinen Augen auch Inhalte aus dem Chemieunterricht besser transportieren.

Auf die Frage, ob das Spielen ab frühester Kindheit jemanden schlauer macht gegenüber jemanden, der noch nie gespielt hat, antwortete Gee, in gewisser Hinsicht schon. „Genauso wie einer, der seit seiner Kindheit Bücher gelesen hat.“ Vorausgesetzt er macht es anspruchsvoll. Anspruchsvoll bedeutet für Gee, dass Fehlschläge weggesteckt werden, strategisch gedacht wird, Handlungen reflektiert und mit anderen interagiert wird. So wird jemand schlauer, egal ob er lesen oder Computerspiele spielen würde.

Gee vermutet, dass Kinder Lernen mit Schule verbinden. Daher merken sie nicht, dass sie etwas lernen. „Lernen ist eine Quelle tiefen Vergnügens“, sagt er (so lautet auch der Titel des Beitrages in der GEE). Seiner Meinung nach schafft Schule es, dieses Vergnügen kaputt zu machen. GEE geht mit der Schuel hart ins Gericht: „Würde dort Sex unterrichtet, wäre uns der Spaß daran wohl genauso verdorben.“

Zu verbrachten Zeit vor dem Computer sagt GEE, dass man schon Leidenschaft und zehntausende Stunden Übung braucht, um eine Sache wirklich zu meistern. Durchhaltevermögen ist nicht nur bei Computerspielen gefragt. Dennoch eine Warnung: „Eltern sollten generell besorgt sein, wenn sich ihre Kinder stundenlang nur mit einer Sache beschäftigen.“