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Spielbesprechungen

Venetica

venetica1 Frauen tauchen in Computerspielen leider allzu oft als passive Figuren auf, die auf die Rettung durch den Helden warten. Lara Croft gilt als bekannte Ausnahme, jedoch liegt der Ursprung von Lara in einem Lizenzproblem mit Lucas Films. Eigentlich ging es um einen männlichen Archäologen, aber da gab es eben Indy. Die Softwareschmiede entschied sich aus dem männlichen einfach eine weibliche Archäologin zu machen. Die anschließende Erfolgsstory gehört in die Computerspiel-Geschichte. Hier aber favorisierten die deutschen Entwickler von Deck 13 als Heldenfigur sofort eine Frau. Welche sich allerdings rächt wie ein Mannsbild.

Die Story spielt in einem Italien mitten in der Renaissance mit Fantasy-Anleihen. Die junge Scarlett erhofft sich ein glückliches Leben mit ihrem Verlobten Benedikt in einem kleinen italienischen Bergdorf. Doch dann überfallen Assassinen das Dorf, Benedikt versucht Scarlett zu schützen und fängt einen für sie gedachten Dolch ab. Die junge Frau verliert den Boden unter den Füßen. Doch damit nicht genug Ungemach, der Tod persönlich erscheint ihr im Traum und erteilt ihr den Auftrag nach Venedig zu reisen und dort einen untoten Fürsten zu töten. Scarlett versteht die Welt nicht mehr. Sie, eine Heldin? Sie fügt sich in ihr Schicksal, besonders als sie herausfindet, dass sie aufgrund übernatürlicher Fähigkeiten das Totenreich zu besuchen vermag. Dort trifft sie ab und an ihren toten Verlobten wieder, der immer wieder Tipps parat hält. Tod gibt sich in der späteren Geschichte als ihr Vater zu erkennen und verrät ihr, dass er spezielle für seine Tochter die Mondklinge auf der Erde versteckte, die einzige Waffe, welche auch Dämonen und Untote verletzt. Auf ihrem Run gen und in Venedig entscheidet der Spieler über die Motivation von Scarlett, immer weiter zu gehen. Tod und diverse Gesprächspartner fragen sie immer wieder, warum und wofür sie kämpft. Anfangs stehen nur Liebe oder Rache zur Wahl. Im weiteren Spielverlauf taucht die Motivation, vielleicht auch der Wunsch von Scarlett auf, das Richtige zu tun und das Böse nieder zu ringen.

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Bei den in Echtzeit stattfindenden Kämpfen in dem Action-Rollenspiel gilt es sich auf die Gegner zu konzentrieren und schnell zu reagieren. Die fixe Kämpferin rollt sich bei Gefahr rasch aus der Gefahrenzone heraus und greift dann mit etwas Übung den Gegner von hinten an. Angesichts der Übermacht an üblem Volk erfreut es, dass sie als Tochter des Todes nicht so leicht ihren Bildschirmtod erleidet. Dabei hilft eine besondere Energie, welche sie nur bei der Nutzung der Mondklinge im Kampf sammelt. Trainings bei verschiedenen Lehrmeistern erweitern ihr Waffenrepertoire. Wie in Rollenspielen üblich erhält sie für erledigte Gegner und erfüllte Missionen Erfahrungspunkte. Bei der Aufwertung der Spielfigur entscheidet der Spieler, ob Scarlett lieber auf Waffengewalt oder auf Zauberkraft setzt. Die Zaubersprüche erweisen sich nicht nur als nützlich, sondern teilweise sogar stärker als der Einsatz von Waffengewalt.

In Venedig angekommen, öffnet sich die bis dahin lineare Spielwelt. Scarlett steht die Erkundung der ganzen Stadt offen. Nicht nur harte Kämpfe sondern auch knifflige Rätsel warten auf die junge Heldin. Die Grafik überzeugt verwöhnte Spieler kaum, dafür aber sorgen die vom deutschen Publisher gewohnten hochklassigen Synchronssprecher für eine atmosphärisch dichte Geschichte.

Fazit: Der gewagte Schritt der Entwickler sorgte für eine starke Heldin.

Pädagogisches: Gut und schön, endlich mal wieder ein Spiel mit einer weiblichen Heldin. Schade und missglückt, die Frau kämpft ja genau wie ein Mann. Das alte Klischee, Frau in Männerrüstung, die Verwandlung der blonden Maid in einen Racheengel. Wer träumt eigentlich von so was? Sind das Männer- bzw. Jungenträume? Der Ruf nach der waffenstarrenden Mutter, die einen aus alles raushauen kann, die selbst der schlimmsten Gang gefährlich werden kann?

Natürlich ist der Charakter ein Schritt in die richtige Richtung. Das Grübeln, die Selbstzweifel, aber letztendlich siegt dann doch der Kampf für das Gute. Da ist die Belletristik und der Film dann doch schon weiter, da wird auch schon mal 90 Minuten gezweifelt.

Das die Magie mächtiger ist als das Schwert ist mehr als nur eine gelungene Alternative zur Ballerspiel-Mentalität. Dennoch werden wohl öfter Jungen zu dem Spiel greifen als Mädchen. Die Monster sehen mal wieder besonders unappetitlich aus, von daher sollte jüngeren Geschwistern beim Spiel der Blick auf den Monitor verwehrt bleiben.

Offizielle Seite

(System: ab 3 Ghz-PC mit 2 GByte Ram und 512 Mbyte-Grafik (Xbox 360)/ Publisher: dtp Entertainment/ Preis bei Erscheinen im August 2009: ca. 41 € (59 €)/ USK: ab 12 Jahren)