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Spielbesprechungen

Little Big Planet

litbigpla_psp_1 Mehr als eine Million. Nein, nicht Euro, sondern Level erstellten Fans bisher mit dem Editor des Jump’n’Runs auf der PS3. Der kleine Obersympath Sackboy entwickelte sich immer mehr zur Leitfigur für kreative Jump’n’Run-Basteleien. Und zur Konkurrenz für Mario, denn der Nintendo-Hüpfer bekam bisher viel von seinem Erfinder Myamoto mit auf den Weg, aber keinen Editor. Nun folgte die Umsetzung auf der PSP, Sonys Tragbarer.

Die Faszination beginnt schon mit dem Intro, welches in die schräge Traumwelt der Sackboys einführt. Sackboy heißt das kleine Männchen, das aus Leinen besteht und neben Armen, Beinen, Kopf und Gesicht keine außergewöhnlichen Merkmale aufweist. Nach Intro und kleinem Tutorial, kommt die Qual der Wahl, ob entweder der Story-Modus oder der Downlad von anderen Benutzern erstellten Level aus der Community auf den Memory-Stick der PSP startet. Der Story-Modus schickt das Programm Sackboy wie beim großen Vorbild lose durch verschiedene Welten, um verschiedene Aufgaben und Rätsel zu lösen. Aufgrund der Umsetzung der realen Physik verhalten sich alle Objekte so wie im echten Leben. Metallblöcke schieben sich schwerer als Styopor, und m einen tiefen Abgrund zu überqueren, schwingt Sackboy an einem Seil hin und her, um im richtigfen Augenblick abzuspringen. Diverse Fahrzeuge und Transportmittel wie etwa Schlitten, Rikscha und Heißluftballon, welche der kleine Sackboy lenkt, bringen ihn ans Ziel. Dank der klasse Physik-Engine fällt, schwingt, fährt, rollt und hüpft alles so wie auf dem großen Bruder. Anders die Level des Story-Modus. Hier kopierten die Entwickler nicht einfach die Level des Vorbildes, sondern kreierten komplett neue. Diese unterteilen sich in einzelne Welten, die jeweils ihrem Hauptthema treu bleiben. Jeder Level hält eine Aufgabe bereit, die durch Geschick und Knacken von Rätseln gelöst wird. Im fiktiven China zum Beispiel gilt es einem großen, roten Drachen sein Ei zurückzubringen und in Indien einen Affen einzufangen, der vorher was klaute. Und in den verschneiten Alpen tragen die Figuren freilich Lederhosen, stehen auf Kuckucksuhren besitzen und suchen gern Heidi. Das Sammelfieber steigt beim Einsammlen aller Punkte- und Preis-Blasen. In diesen verstecken sich nämlich Baumaterialien für eigene Welten, neue Sackboy-Kleidung und Sticker, welche Sackboy nach Lust und Laune irgendwo hinklebt. litbigpla_psp_3

Arne Elsholz Synchronisation, die deutsche Synchronstimme von Tom Hanks oder Manfred das Mammut in Ice Age 1 bis 3, empfängt mit seiner markanten Stimme in der LittleBigPlanet-Welt. Optisch steht diese der der PS3-Fassung kaum in etwas nach, abgesehen von der Größe. So schaut der kleine Sackboy noch kleiner aus, teilweise fällt es dadurch schwer seine Gemütsverfassung mitzubekommen. Es verwundert allerdings wenn auch bei so vielen Details, dass die kleine Konsole selbst in schnellen Abschnitten trotz komplexer Physik-Berechnungen nicht in die Knie geht. Applaus für die Programmierer. Wie machten die das? Nun ja, wer genauer schaut, stellt fest, dass sich Sackboy statt auf drei nur auf zwei Ebenen bewegt, was aber dem Spielspaß keinen Abbruch bereitet. Eher schon der fehlende Mehrspieler-Modus. Den gleicht aber der Editor wieder aus. Dieser erlaubt es ein eigenes Level von Grund auf alleine zu erschaffen oder auf die gesammelten vorgefertigten Objekte zurückgreifen. Die Welten einfach nachzubauen bleibt Langweilern überlassen, Kreative setzen eigene Ideen um. Für die richtige Materialwahl und die Beachtung der Physik braucht es Zeit. Lego-Ingenieure kommen hier Tage, Wochen und Monate nicht mehr raus.

Fazit: Hüpfen und Basteln, Sackboy needs you!

Pädagogisches: Dieses Hüpf’und’Lauf-Spiel ist was für Frohnaturen. Sackboy ist ein lustiger Gesell, die Verkleidungen für ihn schlagen so manches Edel-Karneval-Kostüm. Die überaus gelungene Einführung in das Spiel, die außergewöhnliche Umgebung, in der sich Sackboy bewegt, generieren einen Spaßgaranten, der durchaus auch mal anspruchsvolle Jump’n’Run-Kost liefert.

Bloß beim Editor hört der Spaß auf. Hier schwitzt kreative Geister, um eigene Spielideen und -inhalte einzubringen. Ein Jump’n’Run-Baukasten erinnert an einen großen Eimer voll mit Lego. Wenn sich die Digital Immigrants und die Analogen erinnern, wie viel Spaß ihnen dieser Eimer bereitet hat, kann man sich vorstellen, welche Bastelfreude und welcher Erfindungsgeist in diesem Editor steckt.

Für das Spiel werden sich eher Jungen als Mädchen begeistern, denn zum einen fehlt das Sackgirl und zum anderen knien sich eher Jungen in so einen umfangreichen Editor als Mädchen (behaupte ich, ohne sexistisch sein zu wollen). Die Gute-Stimmung-Musik jedoch sollte als MP3 im Internet zum Download angeboten werden, dienn diese sollte mit möglichst vielen Menschen geteilt werden, so gut tut sie.

Offizielle Spielsite

Weitere Jump’n’Runs mit Leveleditoren, allerdings OpenSource:

(System: PSP/ Publisher: Sony/ Preis bei Erscheinen im Dezember 2009: 37 €/ USK: ab 0 Jahren)