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Whispered World

whispered_01 Die Spielemesse „gamescom“ läuft. Zahlreiche Neuerscheinungen locken Spiele-Fans nach Köln. Da sei auch im Rahmen dieser Berichterstattung der Blick auf ein Spiel erlaubt, dass erst ab 28. August in den Läden steht. Zumal das Adventure aus der gleichen Schmiede stammt wie das preisgekrönte Irrenhaus-Adventure „Edna bricht aus“ und auch das Prädikat „Lachen erlaubt“ trägt.

Ein neuer Antiheld präsentiert sich: Der chronisch depressive Clown Sadwick ermüdet nicht dabei, seiner Umwelt mitzuteilen, wie langweilig er sein Leben als Dauergag im Wanderzirkus findet. Er hasst sein lächerliches Kostüm, die tägliche lebende Kanonenkugel-Nummer, das senile Gewäsch seines Opas und seinen altklugen Bruder Ben. Sein Leben spitzt sich zu, als er in einem Alptraum erfährt, dass er bald die Apokalypse auslöst, welche die Erde zerstört. Die Rolle des Weltenvernichters gefällt Sadwick gar nicht. So geht er der Sache auf den Grund und startet zusammen mit der Raupe Spot, seinem Multifunktions-Haustier, auf eine Reise durch ein malerisch gezeichnetes Fantasy-Abenteuer zum königlichen Palast in Corona.
Dieser Weg führt durch idyllischen Herbstwald und Tempelruinen. Die beiden Helden erforschen eine mystische Insel voller leuchtender Kerzen und treffen in unterirdischen Gemäuern auf seltsame Apparaturen. Und draußen zerbröselt es so langsam die Welt. Aus der Reise gibt es Adventure-gemäß Unterhaltungen mit ziemlich verschrobenen Charakteren. Dazu gehören unter anderem sprechende Steine, magische Wesen, die aussehen wie eine Mischung aus Mensch und Tier sowie andere sonderbare Kreaturen. Leider beabsichtigen die meisten Figuren nicht Sadwick auf Anhieb zu helfen. Einen Mönch etwa bitte der Clown nicht immer in so einer „metaphorischen Wischiwaschi-Art-und-Weise“ mit ihm zu reden, aber der bekommt das irgendwie nicht hin. Die treudoof grinsende Hausraupe Spot übernimmt nicht nur einen weiteren witzigen Part in dem Abenteuer, sondern erweist sich als eine Art Schweizer Taschenmesser. In seiner Normalform stopft Sadwick das kompakte Vieh beispielsweise in ein Ofenloch, um eine klemmende Tür von innen aufzustoßen. Saugt sich Spot mit Wasser voll, verwandelt er sich in eine rollende Kugel, welche Dinge beschwert oder brüchige Objekte mit seinem Gewicht von der Wand abbricht.

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Die Rätselkost schwankt zwischen billig und richtig schwer. Im ersten der vier Kapitel gilt es beispielsweise suchen die Helden das Orakel Shana, um ein wenig mehr Licht in die dunklen Visionen zu bekommen. Hier gilt es ein Uhrenrätsel zu lösen. Selbst Sadwick beschwert sich im Anschluss aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades.
Die Grafik liefert ausschließlich handgezeichnete Figuren, Objekte und Hintergründe ab. Verschnörkelte Wolken, knorrige Äste und Bilderbuch-Holzhütten mit Unmengen von Details laden zum zweiten Blick ein. Atmosphärische Klavier-, Fagott- und Querflötenstücke erlauben regelrecht ein Abtauchen in diese Bilder und helfen nach einem besonders schweren Rätsel bei der Entspannung. Lustige Dialoge begleiten die ganze Zeit Sadwick’s Versuch die Welt zu retten.

Fazit: Ein Adventure zum Ablachen aus deutschen Landen – Respekt.

Pädagogisches: Das Spiel macht genau so viel Spaß wie „Edna bricht aus“. Das Irrenhaus-Adventure hatte aus irgendwelchen Gründen damals die USK-Freigabe „ab 0 Jahren“ erhalten. Dies überraschte vielleicht auch Daedalic, denn die empfahlen das Spiel eigentlich ab 12 Jahren. (Sieht man heute noch auf der offiziellen Spielsite von „Edna bricht aus“. Dort ist oben rechts ein Packshot von dem Spiel zu sehen, auf der ein grüner USK-Aufkleber, der für „ab 12 Jahren“ steht, angebracht ist.) Hat vielleicht auch damit zu tun, dass zum Schluss die Spielfigur eine moralische Entscheidung treffen muss, die kein Sechsjähriger entscheiden kann. „Whispered World“ ist ab 6 Jahren, aber auch hier sind natürlich Sechsjährige überfordert. Sie kommen mit der schrägen Märchenwelt und den Anspielungen nicht zurecht. Geschweige mit den Rätseln. Ab 12 Jahren eignet sich das Adventure für Jungen und Mädchen. Da es sich hier um eine männliche Figur handelt und mal wieder vom Weltuntergang die Rede ist, vielleicht eher für Jungen.

Herrlich erfrischend ist der Kopierschutz. Weder Internet-Registrierung noch andere fiese Tricks, ein Kopierschutz mit Würfeln sorgt für Freude und erinnert an die guten alten Zeiten, als noch nicht jeder Spieler unter Generalverdacht stand.

Offizielle Spielsite

(System: ab 2-GHz-CPU mit 1 Gbyte RAM und 256 MByte Grafikkarte/ Publisher: Daedalic Entertainment/ Preis: ca. 37 €/ USK: ab 6 Jahren)